Dienstag, 10. Februar 2009

Der Teufel und der Donnergottsohn

Auf der Suche nach der Antwort wer der Teufel ist, bin ich auf eine Reihe interessante Geschichten aus der esthnischen Mythologie gestoßen. Sie stellen den Teufel auf einer für mich sehr überraschender Art und Weise dar. Er ist immer noch der Prinz der Dunkelheit, der um die Seelen der Menschen ringt, allerdings hat er auch eine Menge menschliche Eigenschaften. Er hungert, friert, hat Angst und kann überlistet werden. Überhaupt in der Beschreibung seiner Handlungen gibt es etwas Albernes und Naives, was an einem energischen und ungehorsamen Kind erinnert. Diese Erzählungen sind höchstwahrscheinlich vorchristlich und die Hauptperson ist deswegen nicht der christliche Teufel, sonder einer seiner heidnischen „Vorfahren“.

In dieser Geschichte zeigt sich der Teufel, unerwarteterweise, als einen fleißigen Arbeiter. Er erklärte sich bereit sieben Jahre gehorsam dem Sohn des Donnergotts zu dienen um sich anschließlich seiner Seele zu bemächtigen. Eine beeindrückende Fleißleistung um nur noch eine Seele zu haben... In dieser Geschichte sehen wir den Teufel auch als Angsthase. Immer wenn es bei einem Sturm gedonnert hat, habe er sich stets in einer Höhle versteckt und mit Furcht das Donnern zugehört. Seine Angst vor dem Donnern war so groß, dass er bereit war, seinen siebenjährigen Dienst unbezahlt zu lassen, sollte ihm der Sohn des Donnergottes dabei helfen, das Donnerinstrument seines Vaters zu entwenden. Was auch geschah.

Danach sehen wir den Teufel in der bekannten Rolle des guten alten Bösewichts. Er besucht oft die Netze der Fischer um den Fang zu stehlen. Es wird nicht näher eingegangen, wieso er das tut, um seinen Hunger zu stillen oder einach um Schaden zuzufügen. Das tut er jedenfalls nachts, sodass ihn niemand sehen kann. Es stellt sich heraus, dass diese Vorsichtsmaßnahme aus gutem Grund getroffen ist. Weil als er von dem Fischer beim Entwenden des Fangs ertappt wurde, hat sich der Fischer als der kräftigere behauptet und den Teufel in seiner Gewalt mit Hilfe eines Zauberspruchs genommen.
Als gutes Letzt sehen wir den Teufel auch in einer trotteligen Rolle. Er wurde aufgefordert auf dem gestohlenen Donnerinstrument zu spielen und hat es selbstverständlich nicht fertiggebracht. Die anwesenden amüsierten sich mit seiner Unfähigkeit und schlugen ihm vor einem Jungen das Blasen zu überlassen. In seiner Ehrgeiz erkannte der Teufel nicht, dass der Junge nimand sonst, als der Donnergott selbst ist und ist selber in der Falle geraten. Er händigte das Instrument dem Jungen, welcher sofort seine normale Gestalt annahm und mit seinem Donnern den Teufel erschrack.

Was für eine Vorstellung von dem Teufel hinterläßt diese Geschichte? Der motivierte und fleißige Arbeiter, der bereit ist sklavisch sieben Jahren seinem Herr zu dienen, um danach seiner Seele zu kriegen? Oder der verängstigte Bursche, der sich aus der Höhle nicht traut, wenn es donnert? Der Dieb, der das schreckliche Donnerinstrument klaut? Oder der naive Alte Junge (Vanapois), der sich mit einfachen Tricks überlisten lässt? Nicht zu vergessen, dass er gleichzeitig als der Prinz der Hölle in der Geschichte erwähnt wird.

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