Montag, 16. Februar 2009

Teufelische Taten

Je mehr Geschichten über den Teufel ich lese, desto schwer fassbarer scheint er mir zu sein. Woran erkennt man den Teufel? An seinen Taten? An seinem Aussehen? An den Gefühlen und den Gedanken, die er hervorruft? In einem vorherigen Posting bin ich einem Teufel begnet, der bei dem Bau einer Kirche tätig war. In der Geschichte "The devil in a nunnery" von Francis Oscar Mann, beschäftigt sich die Person, die mit dem Teufel identifiziert wird, mit Kunst in einem Frauenkloster. Er spielt ein Musikinstrument und zwar auf so geschickter Weise, dass alle Nonnen voll gefühlsergriffen sind. Sie weinen vor Freude und erinnern sich lebendig an die schönsten Momente ihres Lebens, oder weinen für die Momente, die sie nie erleben dürfen können. Und alle Beteiligten sind von der Sehnsucht nach Liebe ergriffen.

Die gläubigen Christen verbinden die Liebe mit Gott, der alle Kreaturen lieb habe. Der Teufel ist traditionell, als Oppostition Gottes dargestellt und darin liegt die Ironie bei der Geschichte im Frauenkloster. Der Teufel, die bösestrebende Macht, hat durch die Kunst die reinste und schönste Gefühle in den Herzen der Nonnen erweckt. Und dessen ungeachtet, dass die Gefühle echt und schön für jede einzelne Frau gewesen sind, hat die Äbtin diese Erfahrung abgetan und Maßnahmen für die nachträgliche Bestrafung der schwachen Seelen ergriffen, weil sie ihrer Meinung nach nicht göttlicher Natur sind.

Ich konnte auch nicht nachvollziehen, wieso der Spieler als Teufel eingestuft wurde. Dass seine Musik eine besonders ergreifende und übernatürliche Wrikung hatte, kann ich mir vorstellen. Wieso aber diese Wirkung von dem Teufel stammen sollte, ist mir unklar geblieben. Genau so wie in der kanadischen Erzählung über das mysteriöse schwarze Ross, das bei der Kirchenbau geholfen hat. Der Wertung nach, sollte man denken – finde ich – dass wenn die Gefühle mit Liebe verbunden sind, und wenn das Pferd nützliche Arbeit bei der Kirchenverrichtung leistet, dann könnte man deren Ursprung beim Gott und nicht bei dem Teufel suchen. Vielleicht besteht das Problem für die Äbtin in der Versuchung. Die Gefühle sind echt und schön gewesen, sie haben aber die Gedanken der Nonnen zu der Außenwelt gerichtet und von deren Versprechen vor dem Gott abgelenkt.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr erfüllt mich den Verdacht, dass man den Teufel überall erkennen kann, falls man die Neigung dazu hat. Eine gute Tat oder ein schönes Gefühl könnten als genauso schädlich und verdorben eingestuft werden, wie auch ihren Gegenteil. Und wenn man sich einmal entschieden hat, die Ereignisse als vom Gott und vom Teufel beeinflusst, zu betrachten, dann spielt der Charakter dieser Ereignisse eine relativ geringere Rolle, als die gewählte Wertung.

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